Chronik über Schauernheim

 

Wer Interessantes aus der Schauernheimer Geschichte zu erzählen oder Bilder hat, möge sich bitte bei Lutz Köhler (Telefon: 06231/2612 oder eMail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ) melden.

 

Herr Köhler möchte eine Film Chronik verfassen mit „Schauernheimer Geschichten von früher“. Vielleicht gibt es auch Mitstreiter und Mitstreiterinnen mit ähnlichen Inter­essen, welche die Moderation o.ä. übernehmen wollen? Leute, die mit ihm ein kleines Drehbuch entwerfen?

 

Da es ein visuelles Medium werden soll sind Bilder aus Schauernheim mit Dorfansichten und Personen besonders wichtig! Super wären natürlich alte Filmaufnahmen auf Super8 oder anderen Formaten.

 

Die Digitalisierung übernimmt Lutz Köhler. Selbstverständlich werden die Originale umgehend und unversehrt zurückgegeben.

 

 

Die geschichtliche Entwicklung des Dorfes Schauernheim

1984 zusammengestellt vom Schauernheimer Lehrer Gottfried Stumpf

Obwohl über die Geschichte unseres Dorfes noch keine Chronik be­steht, gibt es eine große Menge von Unterlagen über das Geschehen seit den Anfängen, die bis in die frühe Steinzeit hineindatieren.

Überaus zahlreiche Funde im Ortsbereich lassen mit Sicherheit darauf schließen, daß bereits vor fast 4000 Jahren Menschen hier schon ge­siedelt haben, also auch in der nachfolgenden Bronze- und Hallstatt­zeit. Bald kamen die Nemeter, die Kelten und Alemannen in unseren Bereich. Ihnen folgten 58 vor Christi Geburt die Römer, die über 450 Jahre das Land besetzt hielten und feste Plätze am überschwem­mungssicheren Hochufer des Rheins, dessen Arme zeitweise hiervor­beiflossen, anlegten. Mit Beginn der Völkerwanderung entstand hier ein frühfränkisches Dorf, dessen Grabfeld am Pfadgraben lag, das beim Bau der Autobahn 1970 freigelegt wurde.

In der Merowingerzeit wurde das Christentum eingeführt und viele Klöster gegründet. Die älteste bekannte Nennung unseres Heimatortes geht bis auf das Jahr 767 zurück, also zur Zeit Karls des Großen, als das Kloster Lorsch entstand. Im Lorscher Codex erscheint der Name „scurhem", eine altfränkische Bezeichnung, dessen Bedeutung noch nicht eindeutig geklärt ist. Vermutlich hat die Siedlung schon lange vorher bestanden, denn Schauernheimer Bauern haben damals als fromme Christen Felder, Wiesen, Vieh und Feldfrüchte dem Kloster zum Unterhalt und dem eigenen Seelenwohl halber zum Geschenk gemacht. Wir erfahren dabei auch die Namen der christlichen Geber, seltsame Namen, aber in den über 1200 Jahren zwischen damals und heute hat die Sprache manche Wandlung erfahren, somit auch der Name unseres Dorfes.

Im Jahre 851 besaß das Kloster Lorsch hier 39 Morgen Feld und 2 Hofreiten. Der rheinfränkische Herzog Otto schenkte 977 dem neuge­gründeten Kloster Lambrecht 5 Güter in Schauernheim, und 1281 wurde das ganze Dorf Eigentum des Klosters. Nach Auflösung des Klosters wurde Schauernheim der Universität Heidelberg zugeteilt, die bis zur französischen Revolution 1789 unsere Landesherrin blieb. So kommt es, daß wir heute über eine Fülle wertvoller, aussagekräftiger  Handschriften verfügen, die uns wichtige Aufschlüsse geben über Be­sitzverhältnisse und Besitzer, Personen und Liegenschaften, Not- und Kriegszeiten, über Mühen und Sorgen derdamaligen Schauernheimer. Der bäuerliche Besitz war klein, alle pachteten von den großen Kir­chengütern noch Land dazu. Das größte der 6 genannten Kirchengüter war das Münchsgut mit 430 Morgen Feld. Dazu gehörte auch die Mühle. Die Namen der damaligen Bewohner erfahren wir durch Pacht­verträge: Fäth, Renner, Keck, Wässa und andere erscheinen da, ebenso die heute noch üblichen Flurnamen. Der Pachtzins bestand in Naturalien, wobei Streitigkeiten natürlich nicht ausblieben.

Mißernten, Kriege, Krankheiten, eigene und feindliche Besatzungen durch Franzosen, Spanier, Schweden, Russen und andere Völker­schaften, die Haus und Hof, Feld und Wiese ausplünderten und die Bevölkerung erpreßten, ließen unser Dorf im 30jährigen Krieg ausster­ben und veröden. Noch 2 Jahre nach dem Friedensschluß berichtet 1650 ein Schaffner nach Heidelberg, daß er in Schauernheim gewesen sei, das Dorf sei öd und unbewohnt. Niemand sei zu finden, die seit vielen Jahren mit Unkraut, Dornen und Gestrüpp bewachsenen Äcker zu pachten. Erst nachdem pachtzinsfrei für 10 Jahre Land abgegeben wurde, kamen die Nachfahren der Verstorbenen wieder ins Dorf.

Die Urkunden berichten 1739 ziemlich genau über die Verhältnisse. Hier lebten 169 Einwohner (100 Reformierte, 15 Lutherische, 54 Katho­liken, auch Juden gab es). Der Viehbestand war40 Pferde, 1 Ochse, 91 Kühe, 29 Rinder, 10 Schafe und 83 Schweine. Es gab eine Kirche, 2 Schulhäuser, 43 Häuser, 24 Scheunen, 1 Mühle und ein Gemeinde­haus. Die Namen der Bürgermeister seit 1702, die der Lehrer seit 1730 sind lückenlos bekannt. Die Cäcilienkapelle, bereits 1474 erwähnt, kam 1705 an die Katholiken durch Losentscheid. Selbständige Pfarreien hatte unser Dorf bis heute noch nie. Die Katholiken gehörten zu Dann­stadt, die Protestanten seit 1821 zu Fußgönheim. Die evangelische Kirche entstand 1824, brannte 1943 ab und wurde 1950 wieder errich­tet, 1956 folgte der Turm.

Im Jahre 1763 konnte Valentin Fäth die „concession" für die Gastwirt­schaft „Zum weißen Schwan" bei der hochwohllöblichen Universität Heidelberg untertänigst für das „Ungeld von 14-16 Gulden im Jahre" erwirken. Diese Wirtschaft bestand bis zur Brandnacht 1943.

Schauernheim war bis vor der Jahrhundertwende ein reines Bauern­dorf. Erst die industrielle Entwicklung der Stadt Ludwigshafen zog viele an die Arbeitsplätze dort. Viele gingen zu Fuß zur Arbeit, morgens und abends den gleichen Weg, fast querfeldein. Als die Lokalbahn 1890 bis Dannstadt ausgebaut war, änderte sich das mühsame Los derer, die bei Wind und Wetter, Eis und Schnee unterwegs sein mußten. Heute haben wir nur noch 6 landwirtschaftliche Betriebe, die ausgedehnten Gemüseanbau betreiben; Frühkartoffeln, Getreide und Zuckerrüben stehen trotzdem heute noch auf jedem bäuerlichen Anbauprogramm. Ein kleiner Rest von Weinanbau ist noch geblieben. Mit der Abnahme der bäuerlichen Betriebe und der Umstellung auf Traktor und Maschi­nen, verschwanden auch die handwerklichen Betriebe wie Schmie­den, Stellmacherei, Schreinerei, Sattler, Schuhmacher, Schneider und andere fast ganz, eine Entwicklung wie überall im Lande. Wir sind eine Wohngemeinde geworden. Bei Kriegsende lebten hier etwa 600 Men­schen, heute sind es über 2000, die in den 4 großen Neubaugebieten eine Heimstatt gefunden haben.

Schauernheim hatte vor 1935 zwei Konfessionsschulen, die dann zur Si­multanschule zusammengeschlossen wurden. Unterrichtet wurde im Schulhaus vor der prot. Kirche, das bereits 200 Jahre alt war und bald baufällig wurde. Der Unterricht wurde für lange Zeit in den Tanzsaal des „Löwen" verlegt, bis 1952 das neue Schulhaus bezogen werden konnte.

Der II. Weltkrieg hat von unserem Dorf große Opfer gefordert: 31 Gefal­lene und 13 Vermißte. Bei Fliegerangriffen gab es 4 Tote und 24 Ver­letzte und durch Brandbomben brannten 5 Wohnhäuser, 23 Scheunen und die Kirche ab. Die bittere Zeit der Besetzung durch Amerikaner und Franzosen war unerträglich. Alles, was die Besatzer brauchten, mußte herbeigeschafft und ein Großteil der Wohnungen freigemacht werden. Mit eingefallenen, hohlen Wangen kamen viele Kinder aus der Stadt und baten um ein Stück Brot oder ein paar Kartoffeln. Man konnte an den Ausspruch der Römer denken: Wehe den Besiegten.

Bis 1969 war Schauernheim eine selbständige Gemeinde. Ein „Volks­entscheid" im Oktober 1968 war zwar mit 91 % gegen ein Zusammen­gehen mit Dannstadt, aber von der Landeshauptstadt Mainz kamen andere Direktiven.

Das Vereinsleben ist sehr rege, und viele unserer Mitbürger beteiligen sich in mehreren Vereinigungen. Zwei Männergesangvereine, ein Frauensingkreis, der viele Sportarten betreibende Sportverein, der Pfälzerwald-Verein und die „DASCHAUER" bemühen sich um Kultur und Unterhaltung.

Woher haben die Schauernheimer den Uznamen: Schauernhei­mer Esel?      Dafür sind 2 Versionen bekannt.

Version 1

Der Mühlenesel mußte sich seine Mittagsmahlzeit selbst im Felde be­schaffen. Eines Tages zupfte er den Herrn Bürgermeister, der auf einem riesengroßen Kürbis im Felde sein Mittagsschläfchen hielt, kräf­tig am Rockkragen. Beim Aufspringen zerbrach der Kürbis, und als der Aufgeschreckte den Esel hinter sich erblickte, glaubte er, dieser sei eben dem Kürbis entschlüpft und stob hilferufend davon. Diese Bege­benheit wurde in der Umgebung ruchbar und brachte den Schauern­heimern den Namen Esel ein. Für einen wirklichen Schauernheimer kein Schimpfname.

Version 2

Im Jahre 1786 feierte die hochwohllöbliche Universität ihr 400jähriges Bestehen. Der prunkliebende Kurfürst Karl Theodor feierte natürlich, die anderen Fürstenhöfe nachahmend, tüchtig mit. Am Ende der tage­langen Feiern konnte man nur noch den Hund auf dem Grunde der großen Geldtruhe sehen. Man war auf den Hund gekommen und hatte dazu einen Berg Schulden gemacht. Da entsann man sich der vielen Dörfer, die der Universität gehörten, belegte sie mit einer Sonderab­gabe und zog kurzerhand das geforderte Geld ein. Da aber die Zeiten und Ernten schlecht waren, baten die Dorfbewohner untertänigst um Schonung. Doch die Eintreiber kannten keine Gnade, und so waren die lieben Untertanen beim Zahlen weit mehr beteiligt als beim Fest selbst. Und so geschah es, daß die Bäuerlein aus Schauernheim und an­derswo scheltend, jammernd und murrend den edlen und gescheiten Herren in Heidelberg die Zeche zahlen mußten. Weil sie sich das gefal­len ließen, sind sie die Esel.

 

 

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